28mm – 1/40s – f16 – ISO 160

Jeder hat sie schon einmal gesehen – Bilder von fahrenden Autos. Diese Bilder wirken oft sehr dramatisch und spektakulär. Doch derartige Bilder zu erschaffen ist nicht ganz einfach.

Prinzipiell gibt es zwei mögliche Arten für solche Bilder: Car to Car, also ein fahrendes Auto (oder auch Motorrad) aus einem anderen fahrenden Auto fotografiert. Die andere Art sind Rig Shots – das sind Fotos, wo die Kamera mithilfe eines großen Gestells am Auto montiert wird und während einer Langzeitbelichtung das Auto langsam bewegt wird.

35mm – 1/30s – f5.6 – ISO 200

Beide Arten haben ihre Vor- und Nachteile. Bei Rig-Bildern z.B. muss immer der Arm des Gestells herausgestempelt werden und es braucht zum Teil viel Zeit zum aufbauen und ein Rig bringt nicht unerhebliche Kosten mit sich. Dafür hat man die Möglichkeit, die Bilder aufs kleinste Detail zu planen und das ganze ist sehr ungefährlich und man kann durch ungewöhnliche Kamerawinkel sehr dramatische Bilder erzeugen.

Bei Car to Car muss zu allererst gesagt werden, dass das ganze nicht ganz ungefährlich ist! Der Fotograf hängt sich hier unter Umständen bei voller Fahrt aus dem Auto um das perfekte Bild zu bekommen. Vor rund 10 Jahren habe ich das erste mal Rolling Shots gemacht – bisher ist nie etwas schief gegangen. Dennoch bin ich mir der Gefahren bewusst.

28mm – 1/25s – f13 – ISO 125

Car to Car Bilder wirken in der Regel “natürlicher” als Rig Shots. Sie sind natürlich wesentlich günstiger zu erstellen, da man kein teures Rig benötigt. Dafür braucht man allerdings auch ein geeignetes Kamera-Fahrzeug und einen Assistenten welcher das Fahrzeug fährt.

Ich persönlich beschäftige mich von beiden Arten lediglich mit der Car to Car Fotografie und möchte euch daher nun einige Tipps und Erfahrungen dazu näher bringen.

28mm – 1/30s – f6.3 – ISO 125

Die richtigen Kamera-Einstellungen

Vorweg: Es gibt keine “richtigen”, “perfekten” Kameraeinstellungen! Ihr werdet immer ein wenig herumprobieren müssen, da es viel auf die Örtlichen gegebenheiten wie z.B. Licht und Straßenqualität ankommt.

Generell benötigt ihr erstmal ein Weitwinkel-Objektiv, ggf. sogar ein Ultra-Weitwinkel. Ich nutze z.B. gerne den Bereich von 28 bis 35mm Brennweite auf Vollformat, wobei 35mm für Car to Car schon sehr lang ist. Bei APS-C Cameras mit einem Cropfaktor wäre das wohl etwa so der Bereich um 15 bis 20mm.

Die Kamera setze ich hier auf Blendenautomatik (bei Canon der Modus ‘Tv’, bei Nikon der Modus ‘S’), d.h. man stellt die Belichtungszeit ein und die Kamera wählt automatisch die entsprechende Blende.

28mm – 1/40s – f11 – ISO 50

Für die Belichtungszeit taste ich mich immer etwas heran. Üblicherweise liege ich hier aber zwischen etwa 1/50 und 1/20s – je länger die Belichtungszeit, desto dramatischer wirkt das Bild!

Der Fokusmodus der Kamera sollte auf Ai Servo (bei Canon) bzw. AF-C (bei Nikon) stehen. Der Sinn dahinter ist, dass diese Modi es erlauben, dass der Fokus kontinuierlich angepasst wird und man so bewegte Objekte mit der Kamera verfolgen kann.

28mm – 1/30s – f2.8 – ISO 800

Das richtige Kamera-Auto

Das Auto, aus welchem man die Bilder macht spielt natürlich auch eine große Rolle. Prinzipiell ist es natürlich auch möglich, aus einem hart gefederten Sportwagen Bilder zu machen – es funktioniert jedoch einfach besser, wenn das Auto sanft gefedert ist, daher empfehle ich im Idealfall Serienfahrzeuge ohne Tieferlegung. Denn: Je weniger man durchgeschüttelt wird, desto längere Belichtungszeiten kann man halten!

Die Fenster-Öffnung sollte ausreichend groß sein, damit man sich vernünftig bewegen kann. Im absoluten Idealfall kann man z.B. einen Minivan mit Schiebetür benutzen.

Hier möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass das ganze nicht unbedingt ungefährlich ist. Bitte immer darauf achten, dass ihr vernünftig abgesichert seid und nicht herausfallen könnt! Dies gilt besonders bei Fahrzeugen mit Schiebetür.

30mm – 1/30s – f13 – ISO 125

Die Kommunikation

Ein weiterer Punkt der ganz besonders wichtig ist, aber oft vergessen wird: Die Kommunikation. Sei es nun zwischen Fotograf und Kamerafahrzeug-Fahrer oder zwischen Fotograf und Motivfahrzeug-Fahrer.

Da es bei Car to Car Aufnahmen teilweise sehr laut durch die Windgeräusche im Kamerafahrzeug werden kann, ist eine kurze, knappe Kommunikation mit dem Fahrer wichtig. Sei dies durch Gesten oder kurze Wörter.

28mm – 1/30s – f18 – ISO 100

Ebenso ist die Kommunikation mit dem Fahrer des Motivfahrzeugs nicht immer einfach – da man sich in der Regel nicht sprachlich verständigen kann, muss man hier oft auf Gesten und Handbewegungen ausweichen um dem Fahrer beispielsweise mitzuteilen “Komm näher” oder “Bleib so”.

Derartige Gesten spricht man am besten vorher ab, damit es nicht zu Verwirrung kommt!

28mm – 1/25s – f20 – ISO 125

Die richtige Technik

Damit man gestochen scharfe Car to Car Bilder bekommt, ist es wichtig das beide Autos gleich schnell fahren! Ich persönlich mache die Bilder am liebsten bei etwa 100 – 120 km/h. Dieser Bereich hat sich für mich über die Jahre als sehr angenehm herauskristallisiert. Langsamere Geschwindigkeit bedeutet auch weniger Bewegung im Hintergrund. Schnellere Geschwindigkeit bringt auch mehr Hektik und oft eine holprigere Fahrt mit sich, wodurch die Belichtungszeiten verkürzt werden müssen.

Die Kamera sollte man sehr fest und sicher halten können. Ich persönlich wickele mir immer den Tragegurt um mein Handgelenk – selbst für den Fall, dass sie mir aus der Hand rutscht, habe ich so noch eine Chance sie aufzufangen. Aber der Gurt lässt sich auch anderweitig nutzen – als eine Art Stabilisierung.

28mm – 1/30s – f10 – ISO 125

Denn ich persönlich halte bei Car 2 Car sehr gern die Kamera mit einer Hand so nahe am Boden wie möglich (je näher am Boden, desto mehr Dramatik!) und halte mit der anderen Hand den Gurt der Kamera straff und stabilisiere sie dadurch etwas.

Aber natürlich kann man auch ‘normal’ durch den Sucher schauen und die Kamera wie gewohnt festhalten. Dies gibt auch definitiv einen besseren Halt als oben beschriebene Methode.

28mm – 1/40s – f14 – ISO 160

 

Die Nachbearbeitung

Zur Nachbearbeitung gibt es eigentlich nur wenig zu sagen. Dadurch, dass die Kamera oft eine sehr kleine Blende auswählt, sieht man eventuellen Dreck auf dem Kamerasensor in den Bildern zum Teil sehr deutlich. Dies muss dann natürlich in der Nachbearbeitung herausgestempelt werden.

35mm – 1/50s – f8 – ISO 200

Das ganze hier sind natürlich nur meine eigenen Erfahrungen – ich behaupte nicht, dass es die definitive Lösung für Car to Car Bilder ist. Jeder Fotograf bringt seinen eigenen Stil in die Bilder ein. Ich hoffe, ich konnte hiermit einigen Fotografen weiterhelfen!

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30. Mai 2018

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